Die Derminga Weihnachtsgeschichte 2015

Es sind wohl schon einige Jahrhunderte her, so wie es die Legende berichtet, war es nach dem dreißigjährigen Krieg. Die ärmlichen Hütten in Dirmingen waren fast leer und es gab nicht mehr viele Menschen in Dirmingen.

Dreißig Jahre Krieg, Hunger, Pest und Elend dezimierte zu dieser armen Zeit die Bevölkerung. Krankheit, Not und Hoffnungslosigkeit wohnten in Dirmingen und es gab kaum Aussicht auf eine Besserung. Es gab fast nichts mehr zu essen, das Wasser war verseucht und es stank nach Tod in den Gassen von Dirmingen. In einer dieser Hütten lebten der Bauer Jakob und seine Frau Marietta. Beide waren noch recht jung und dennoch hinterließ der Krieg Spuren in den Gesichtern der beiden Liebenden. Jakob ging morgens früh immer in den Wald, um nach Beeren und Eicheln zu suchen und er pflanzte in dem kargen Boden neben seiner Hütte Erbsen und Bohnen. Ein Hausschwein hatten Sie freilich nicht mehr und auch keine Kuh, nicht mal mehr ein Huhn. Marietta sorgte für etwas Sauberkeit in der Hütte und bereitete das knappe und karge Essen zu.

Es zogen ein paar Jahre in’s Land. Es wollte einfach nicht aufwärts gehen. Armut regierte in Dirmingen. Jakob jedoch machte beharrlich seine Arbeit und klagen hörte man Ihn nicht. Abends jedoch, wenn Marietta schon schlief, betete er im Stillen zu Gott und bat darum, dass es doch bald besser werde. Es kam die Zeit, da ging es Marietta nicht gut. Sie konnte nicht richtig essen und erbrach sich oft. Jakob machte sich Sorgen und er arbeitete noch mehr um seine geliebte Marietta besser versorgen zu können. Marietta unterdessen zog sich zurück und lag oft auf Ihrem Lager aus Stroh und alten Tüchern. Die wenigen Leute aus dem Dorf merkten auch, dass etwas bei Jakob und Marietta nicht stimmte. Sie trauten sich kaum an der Hütte vorbei zu gehen. Ja und fragen, was mit Marietta sei, trauten Sie sich nicht. Viel zu groß war die Angst, dass die Pest in der Hütte von Jakob und Marietta zu Hause war. Angst zeigt sich in den Augen der kleinen Bürgerschaft. Warum versteckte Jakob seine Frau. Ja warum kam Sie nicht mehr aus der Hütte heraus.

Die Leute in Dirmingen wurden unruhig und mürrig. Man könnte sogar sagen, dass Zorn in den Herzen wohnte. Zorn aus Angst geboren. Wenn Jakob morgens in den Wald ging, traute sich niemand an die Tür der Hütte. Viel zu groß war die Angst vor der Pestilenz, dem schwarzen Tod. Niemand redete mit Jakob und die wildesten Geschichten gingen durch die Gassen von Dirmingen. Jakob jedoch verrichtete sein Tagwerk bis in die späten Abendstunden. Unbeirrbar, fast sturköpfig entlockte er seinem Acker die wenigen Früchte. Es war in der Adventszeit, kurz vor heilig Abend, da kam ein alter Mann in’s Dorf nach Dirmingen. Sein Körper war ausgemergelt und der Sensenmann hatte schon ausgeholt um Ihn in sein Reich  mit zu nehmen. Der alte Man lebte einsam im Kaselswald im Osten von Dirmingen. Man sah den Einsiedler selten, ja fast nie, kam er auch in früheren Jahren nach Dirmingen.

Jakob fragte den alten Mann, ob er Ihm denn helfen könne ? Der alte Mann mit Namen Martinus bat um eine Schüssel Suppe, denn er war hungrig. Jakob lud Ihn in seine kleine Hütte ein und setzte Ihn direkt neben den warmen Ofen und er konnte dem Fremden eine Schüssel mit Bohnensuppe reichen. Der alte Mann sah Marietta auf dem Strohlager liegen und ein Lächeln zeigte sich auf seinem Gesicht. Er sah, was kein anderer Bürger von Dirmingen sehen konnte und er war frohen Gemütes. Jakob machte dem alten Mann ein Strohlager neben dem Ofen und lud Ihn ein so lange zu bleiben, bis es Ihm wieder besser gehen würde. Der Alte bat um ein Stück Papier und einen Stift. Im schwachen Licht der Hütte beschrieb er mit zittriger Hand das Papier. Danach schlief er zufrieden ein. Es war eine kalte, lange Nacht. Als der Morgen graute schrieb man den 24. Dezember 1650, heilig Abend. Der Himmel war klar und blau, als ein Schrei die Stille zerriss. Marietta hatte einen Sohn geboren. Kräftig war er und er hatte eine laute Stimme, die durch das ganze Dorf zu hören war.

Die Leute versammelten sich vor der armen Hütte von Jakob und Marietta. Jakob wollte den alten Mann wecken, um Ihm stolz seinen Sohn zu zeigen, doch der alte Mann war von dannen gegangen. Mit einem zufriedenen lächeln lag der alte Martinus tot auf seinem Strohlager. Den beschriebenen Zettel in der Hand. Gerade wohl, als das neue Leben geboren wurde, endete das alte Leben. Jakob entnahm dem alten Mann den Zettel, auf dem geschrieben stand:

Ihr habt mich aufgenommen, als mir ganz schlecht es ging.
Ihr gabt mir Menschlichkeit und Frieden, und meinen letzten Stunden einen Sinn.
Mein altes Leben scheidet hin, ein neues wart geboren,
die heilige Nacht hat sich das Kind dazu erkoren.
Ich kann in Ruh nun scheiden, denn die Hoffnung ist erstarkt,
Martinus soll er heißen… die Zukunft wird er weisen.

So nehmet meinen Dank entgegen, für meine letzten Stund.
Ein Kalb, ein Schwein, eine Geiß und einen Hund,das alles sollt Ihr haben, zum Wohl für diesen Knaben.
Schaut nach vorn und nie zurück, in der Zukunft wohnt das Glück.
Wo neues Leben kräht, ist es für die Hoffnung nie zu spät.
Beharrlich sein, wie Jakob zeigt, bringt Dich auf Deinem Weg sehr weit.
Menschlichkeit und Herzlichkeit, verbunden mit Beständigkeit,
verhindert oft viel Herzensleid.

So kann ich nun, in aller Ruh, dem Tod in’s Auge schaun.
Lebt wohl, Ihr drei, gehabt Euch wohl…Ihr habt das Herz am rechten Fleck.
Begraben sein will ich im Kaselswald, da wo ich lebte, liebte und wurde alt.

Der junge Martinus wuchs zu einem stolzen Mann heran. Die Beharrlichkeit und Arbeitssamkeit erbte er von seinem Vater, die Liebe und Gutmütigkeit von seiner Mutter, die Herzlichkeit und Zuversicht, auch in schlechten Tagen, gab Ihm auf seltsame Weise der alte Mann mit auf den Weg. Dirmingen erblühte Dank seiner starken Wurzeln aus jener Zeit zu einem der reichsten Bauerndörfer im Illtal.

Eine kleine, frei erfundene Weihnachtsgeschichte von H.W. Guthörl (25.11.2015)

 

 

Die Derminga Weihnachtsgeschichte 2014

Es war wohl noch viele Jahrhunderte vor dem Jahre des Herrn 1281, als Menschen keltischer Abstammung wieder einmal, wie früher üblich, auf der Flucht waren. Großgewachsene, hühnenhafte Mannen, schöne Weiber mit wallenden roten und gelben Haaren, Kinder, Greise, Kühe und Schweine, Hunde und Katzen.

Stern von DirmingenHeimatlos, hungrig und durstig, die Füße schmerzend und blutend von der langen Wanderschaft. So suchten Sie eine neue Heimat, das gelobte Land. In Legenden Diermanges, Dirmendingen, Doermund benannt und von Sängern besungen. Jedoch nur Legenden die besungen wurden. Wo es lag war unbestimmt und nur in Ihren kühnsten Träumen konnten die Menschen schleierhaft den Zusammenfluss von zwei Bächen, inmitten von Tälern und Hügeln erkennen. Wo es lag vermochte niemand zu sagen. So zogen Sie los um das heilige Land zu suchen. Katholische Christen, Heiden, Krieger, Bauern, Knechte und Mägde. Viele Jahre waren Sie unterwegs und glaubten schon, die Hoffnung sei hoffnungslos. Da erschien am nächtlichen Himmel ein heller Stern im Südwesten des Firmaments. Er leuchtete heller, als alles was die Wanderer je erblicket haben. Dort, ja dort musste es sein, das gelobte Land. Nur ein Stern vermochte den Weg in eine wunderbare Zukunft zu zeigen.

So sei es gewesen, dass die Suchenden dann Findende wurden. Nach schweren Jahren, gar Jahrzehnten der Entbehrung, fanden Sie den in Liedern besungen Ort am Zusammenfluss von Illbach und Alsbach. Egal ob Diermanges, Dirmendingen, Doermund, es sollte Ihre neue Heimat werden…und so geschah es. Ein Reichtum an Wasser, an Feldern und Wäldern, an Wiesen und Früchten. Das Paradies, der Garten Eden. So ließen Sie sich nieder und befolgten die Worte des weisen Mannes aus der Bibel: “Gehet DA hin und mehret eucht”. Und Sie mehrten sich und mehrten sich und wurden Anno 1281 erstmalig urkundlich erwähnt. Es kamen gute Jahre und Diermanges wuchs zu einem kleinen Bauerndorf empor. Eine christliche Kirche wurde in der Dorfmitte erbauet. Eine einfache Kirche, kein Pomp, kein Reichtum. Es gab fast keine Heiden mehr, denn die Inquisition im Mittelalter hatte strenge Regeln…und willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den Schädel ein. Also lieber konvertiert als tot. Aus Diermanges, Dirmendingen, Doermund wurde langsam “Dirmingen”.

So zogen die Jahre dann in das Land und im Osten des Landes brach eine Revoulution aus. Der Anstifter war ein gewisser Martin Luther, ein Mönch und Gelehrter. Er spaltete den Glauben und somit die Menschen. Das wollte er nicht, aber es ist so gekommen. Die Landesherren folgten dem einen christlichen Glauben, die anderen folgten dem anderen christlichen Glauben. Und das untertänige Volk v(f)olgte dem Landesherrn. So zogen die einen von der Oberpfalz nach Dirmingen, die anderen von Dirmingen in die Oberpfalz. Dirmingen wurde evangelisch, genau wie der Landesherr. Also war das gelobte Land nun nur noch für die Evangelischen gelobet und die katholische Kirche in der Dorfmitte wurde evangelisch. Für den angebeten Gott war es egal, denn er machte keinen Unterschied…nur die Menschen machten den Unterschied. In den späteren Jahren wurde Dirmingen dann von evangelischen und katholischen Christen bevölkert. Der Eine sollte mit dem Anderen nicht und der Andere sollte mit dem Einen nicht. Die Blokepp und die Kreizkepp, trennten Kirchen und trennten Schulen. Alles wurde doppelt gebaut. Schulen und Kirchen. Das einst gelobte Land war ein geteiltes Land, hieß aber noch Dirmingen.

Gott zürnte und schickte Kriege, Not, Entbeerung, wie einst in Sodom und Gomorra. Jedoch der Mensch vermochte nicht zu lernen. Aber Gott schickte auch die Evolution und die Entwicklung von Gehirnmasse und so lernten die Menschen die letzten Jahrzehnte umzudenken. Der Stern, der einst die Vorväter nach Dirmingen geführt hatte, leuchte größer und stärker als je zuvor, als die beiden Volkschulen zur gemeinsamen Grundschule zusammengelegt wurden. Die Kirchen blieben aber noch getrennt, was aber wohl nicht in Dirmingen zu verantworten ist, sondern von höherer Stelle im Vatikan oder in Düsseldorf. Das Volk folgte nicht mehr bedingungslos, sondern hatte von Martin Luther gelernt, egal ob evangelisch oder katholischer Konfession. Die Menschen aus dem gelobten Land wurden Reveluzzer, waren und sind aufmüpfig, lassen sich nicht mehr von der Obrigkeit vorführen und fehlleiten. Die große Spalte wuchs wieder zusammen und alle Wunden die schmerzhaft aufgerissen wurden, sind verheilt. Der Stern von Dirmingen hat alle zusammengeführt.

So pflegen die Derminga Bürger heute ein gutes Miteinander. Es werden zünftige Feste gefeiert, so wie einst die Kelten und Gallier, unsere Vorfahren. Wir leben das Christentum…und willst Du nicht mein Bruder sein, bekommst Du trotzdem Brot und Wein. Es lebt sich gut am Zusammenfluss von Illbach und Alsbach und die Täler und Hügeln sind noch genau so schön, wie vor dem Jahre 1281. Es sei den Vorvätern gedankt, dass Sie den Weg in das gelobte Land vor vielen hundert Jahren gesucht und gefunden haben. Und wenn wir nicht gestorben sind, dann leben und feiern wir noch heute…

Eine kleine, satirische Weihnachtsgeschichte von H.W. Guthörl, geschrieben am 11.12.2014.

Frohe Weihnachten !